Thomas Schnyder<br />
Mélanie Gysler – Ökostrom Schweiz
Thomas Schnyder
Mélanie Gysler
Ökostrom Schweiz

Landwirtschaftliche Biogasanlage

Aus Mist und Gülle entsteht nicht nur erneuerbare Energie, sondern auch klimaschädliche Treibhausgase können reduziert werden: Dank landwirtschaftlichen Biogasanlagen.
Die meist runden Behälter mit gewölbter Haube vollbringen wahre Wunder für das Klima.

Alle landwirtschaftlichen BGA’s in der Schweiz reduzieren über 82’000 t (82’594 t) CO2 äquivalent im Jahr.
Mélanie Gysler, Mitarbeiterin Bereich Suisse romande Ökostrom Schweiz

Den Aufklärungsflyer «Biogas – Energie vom Bauernhof» können Sie hier als PDF herunterladen.

Ökostrom Schweiz

Die Geschichte von Irène und dem Biogas


«Zum Glück hat es gestern geregnet, jetzt ist das Gras schön saftig. Schmatz. Schmatz. Aber jetzt muss ich mich erstmal hinlegen». Gemütlich lässt sich Kuhdame Irène auf der Weide nieder. Das eben verspeiste Gras findet seinen Weg über die Speiseröhre in den ersten von vier Mägen.

«Ja, Du hast richtig gehört, ich habe vier Mägen. Damit kann ich Gras und Kräuter, Heu und Mais in Lebensenergie und Milch umwandeln ». Im Pansen, dem Netzmagen, dem Blättermagen und dem Labmagen wird Irènes Futter geschichtet, mithilfe von Mikroorganismen abgebaut, und die freigesetzten Inhaltsstoffe nimmt sie auf.

«Der Rest kommt hinten als weicher, warmer Fladen wieder heraus. Mein Kot. Auch wenn es Euch vielleicht ekelhaft erscheint, kann mein Kot von grossem Nutzen sein. Aber damit fängt die Geschichte erst an. Ich erzähle Dir das gerne auf dem Weg zurück in den Stall. Bald werde ich nämlich gemolken ».

Der Abend ist angebrochen, als die Kuh Irène zusammen mit ihrer Herde in den Stall geführt wird zum Melkstand. Danach zu ihrem Stammplatz. Unter dem Stall ist der Gülleschacht, dieser führt das, was bei Irène hinten raus kommt - die Gülle - ab in eine Grube. So ist das bei allen Kühen. Irènes Gülle, und die von ihren Kolleginnen, wird aber noch einer besonderen Bestimmung zugeführt. Bevor sie mit dem Güllefass aufs Feld ausgebracht wird zum Düngen, kommt diese Gülle in die Biogasanlage.

«Aus meinen Ausscheidungen entsteht erneuerbare Energie, Naturdünger und dazu wird noch das Klima geschützt»

Dort kommt sie zusammen mit dem Mist und anderen organischen Reststoffen, z.B. aus der Lebensmittelindustrie in einen grossen runden Behälter, der Fermenter heisst. Dabei handelt es sich um landwirtschaftliches Biogas, da hauptsächlich Hofdünger eingesetzt werden. Der Rest besteht aus Ernterückständen oder anderen organische Abfällen aus der Lebensmittelindustrie. Mit genug Wärmezufuhr und Rühren ist das der ideale Ort für Archaeen. «Diese kleinen Mikroorganismen, wandeln den Wasserstoff und das Kohlenstoffdioxid aus dem Güllegemisch in Methan um». 

«Ganz ähnlich eigentlich wie in meinem Magen! », erzählt Irene weiter.

Bei der üblichen Lagerung von Hofdünger entsteht auch Methan, ein Treibhausgas, das 25 Mal schädlicher ist für das Klima als CO2. Dieses entweicht dann unkontrolliert in die Atmosphäre.

Die Biogasanlage ist luftdicht und damit sauerstofffrei, genauer gesagt anaerob. Wenn die Hofdünger also in der Anlage gelagert werden, entsteht bei der Vergärung Biogas, aber dieses Gas entweicht nicht in die Luft. Den Prozess der Biogas-Entstehung nennt man Methanisierung. Biogas besteht nämlich vor allem aus Methan und Kohlenstoff. Das Biogas wird in einem Motor verbrannt. Der Motor treibt einen Generator an, der wiederum produziert Strom und Wärme. So wird also aus Gülle und Mist Strom und Wärme. Diese erneuerbare Energie darf guten Gewissens genutzt werden.

Wenn das Biogas dann aus dem Gülle-Gemisch abgeschöpft ist, bleibt eine Gärgülle zurück. Diese stinkt viel weniger als unverarbeitete Gülle und ist klimafreundlich. Aber sie hat noch dieselben wertvollen Dünge-Eigenschaften, und wird deshalb am Schluss wieder im Feld oder auf der Weide ausgebracht. Dort nährt sie das Futter, das Irène später wieder frisst. Und der Kreislauf beginnt von neuem.

«Aus meinen Ausscheidungen entsteht erneuerbare Energie, Naturdünger und dazu wird noch das Klima geschützt!», muht Kuh Irène mit einem stolzen Lächeln im Gesicht und schnappt sich noch einen Mund voll Gras.

Möchten Sie mehr über Biogas erfahren? Sie können sich das Video über Landwirtschaftliche Biogasanlagen ansehen.