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Klima in der Schweiz – Übersicht der Klimaarten

Heute treffen wir Bertrand*, einen leidenschaftlichen Wanderer. Auf der Spitze des Kaisereggs erzählt er uns, dass er sich gerne mitten in der Natur erholt. «Unter der Woche bin ich vor einem Computer im Stadtzentrum Freiburgs blockiert. Deshalb profitiere ich sobald das Wochenende kommt von meinem GA (Generalabonnement der SBB) und bereise die Schweiz auf der Suche nach neuen Wanderwegen. Ich liebe es, mich frei zu fühlen und die unverschmutzte Luft zu geniessen. Es erlaubt mir, mich zu erholen.»

Der Kaiseregg ist mit 2185 Höhenmetern einer der höchsten Gipfel der Kantons Freiburg. Bertrand tut gut daran, hier an die frische Luft zu kommen. Die Voralpen geniessen ein kaltes kontinentales Klima mit frischen Sommern. Dies macht sie zu einem sehr beliebten Ort bei den Bewohnern des Mittellandes, die der sommerlichen Hitze entkommen oder im Winter den Schnee geniessen wollen. Ab 1500m über dem Meeresspiegel erstreckt sich die kalte Jahreszeit von November bis April und Schnee ist meistens während des ganzen Winters vorzufinden. Der Klimawandel gefährdet jedoch die Skigebiete der Region. Schneefall begrenzt sich je länger je mehr auf grössere Höhenlagen. Dies ist durch den Anstieg der Temperaturen bedingt (siehe Artikel Klima und Nostalgie).

Klima in den Voralpen. Panorama vom Schwarzsee © Philipp Seiler/Shutterstock
Die Kaiseregg © Kamilalala/Shutterstock
Unter der Woche bin ich vor einem Computer im Stadtzentrum Freiburgs blockiert. Deshalb profitiere ich sobald das Wochenende kommt von meinem GA und bereise die Schweiz auf der Suche nach neuen Wanderwegen. Ich liebe es, mich frei zu fühlen und die unverschmutzte Luft zu geniessen. Es erlaubt mir, mich zu erholen.

Weiter nördlich besitzt der Jura ein ähnliches Klima wie die Voralpen. Je nach Höhenlage kann der Sommer aber temperierter sein. «Wie gesagt, ich besitze das GA und geniesse es, meine Wanderorte so viel wie möglich zu variieren. Mit meinen Eltern gingen wir oft bis zum Creux-du-Van. Vor allem im Herbst, wenn sich die Bäume mit tausend Farben schmücken. Ich gehe zu dieser Jahreszeit übrigens ab und zu dahin zurück.»

Klima des Jurabogens. Der Creux-du-Van, Kanton Neuenburg © Kevin Ceni/Shutterstock

Obwohl die Schweiz im Vergleich zu seinen Nachbarn ein kleines Land ist, bietet ihre stark heterogene Topographie sehr diverse klimatische Bedingungen. Die Alpen machen übrigens einen Grossteil ihrer Fläche aus. Ganz oben auf den Gipfeln, oberhalb von 3000 Höhenmetern, ist das Klima identisch zu dem der Tundra, wo der Schnee praktisch das ganze Jahr über auf dem Boden bleibt. Auf den höchsten Spitzen, sowie auf den Gletschern, Überbleibsel der alten Eisschilde der letzten Eiszeit, herrscht noch ein polares Klima. «Diesen Sommer habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Gletscher betreten! Ich war auf dem Alteschgletscher im Wallis wandern. Die Oberfläche unter meinen Füssen schmolz sprichwörtlich wie Schnee in der Sonne, sodass ich mehrmals beinahe ausgerutscht wäre. Ich denke man muss es jetzt noch geniessen, die Gletscher bestaunen zu können, weil sie rasant schnell schrumpfen.» In der Tat sind die Gletscher wegen der Beschleunigung der Klimaerwärmung in den letzten Jahren einer immer grösseren Belastung ausgesetzt. In 10 Jahren, zwischen 2008 und 2018, haben die Schweizer Gletscher 10% ihres Volumens verloren. Das meteorologische Jahr 2017-2018 hat sie sogar um 1,4 km3 schrumpfen lassen. Und dies trotz eines schneereichen Winters (RTS, August 2019; auf Französisch, Video auf Deutsch).

Diesen Sommer habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Gletscher betreten! Ich denke man muss es jetzt noch geniessen, die Gletscher bestaunen zu können, weil sie rasant schnell schrumpfen.
Alpines Klima. Aletschgletscher © ExpediTom/Shutterstock
Der Aletschgletscher am 11. August 2018 © Giulio Ercolan /Alamy Stock Photo

Graubünden macht neben dem Wallis grosso modo die andere Hälfte der Alpen auf Schweizer Gebiet aus. Das Klima ist sehr ähnlich, auch wenn leicht kontinentaler infolge der grösseren Entfernung zum atlantischen Ozean und des direkten Schutzes durch die Bergen im Westen. In diesem Kanton befindet sich der einzige Nationalpark des Landes. Seit seiner Gründung im Jahre 1914 wird darin die Natur ganz sich selber überlassen. «Ich liebe es, in den Nationalpark auf Trekking-Touren zu gehen. Es ist eine in der Schweiz einzigartige Landschaft fast ohne menschlichen Eingriff. Man fühlt sich da alleine auf der Welt. Es ist perfekt, um zu sich selbst zu finden.»

Ostalpines Klima. Schweizerischer Nationalpark in Graubünden © Tupungato/Shutterstock

Mit dem Eintreffen des Herbsts fallen die Temperaturen und Bertrand bevorzugt somit Wanderungen im Flachland. «Letztes Wochenende war ich im Lavaux durch die Reben wandern. Man hat eine atemberaubende Sicht auf den Genfersee und auf die Alpen dahinter. Die Gipfel waren bereits ganz weiss, es war angenehm, fast 17°C beim Seeufer!» Die Waadtländer Riviera, wie die am tiefsten gelegenen Gebiete des Flachlandes, geniesst ein temperiertes Klima. Die Winter sind milder als in höheren Lagen und die Sommer sind sonnig, wie übrigens auch im Rest des Landes, und angenehm genug, um schwimmen zu gehen! Ab dem Spätherbst jedoch, bilden tiefhängende Wolken eine Nebeldecke, die der Region den Sonnenschein raubt. Die trichterähnliche Lage des Mittellandes zwischen den Höhen des Juras und der Alpen hält die von der Bise zurückgedrängten Feuchtigkeit gefangen und sorgt für den für Schweizer Winter so typischen Stratus. In Höhenlagen herrscht die Sonne vor. Die Bise ist ein Wind, der vom Nord-Osten des Kontinents kommt und eine kalte und trockene Luft mit sich bringt, die zu einer starken, durch den Wind verstärkten Kühlung führt (Windkühle).

Klima der Waadtländer Riviera. Terasses du Lavaux © Samuel Borges Photography

Jenseits der Alpen hat die Bise keinen Einfluss mehr, da jeglicher Wind aus dem Norden von der Barriere der Alpen blockiert wird. Die Region geniesst ein temperiertes Klima mit warmen, vom Mittelmeer beeinflussten Sommern und profitiert auch von sonnigem Wetter. Wenn die meteorologische Lage kalte und feuchte Luft aus dem Norden in Richtung Alpen bringt, herrscht im Süden Föhnlage. Da sich die ganze Feuchtigkeit über den höchsten Berggipfeln niederschlägt, steigt die Luft trocken wieder ab und bewirkt eine Erwärmung und schönes Wetter. Die südlichen Täler Graubündens, aber vor allem das Tessin, können sich rühmen, ein subtropisches Klima zu haben. Bertrand erzählt uns, dass er den italienischsprechenden Teil des Landes sehr gerne besucht. «Das Tessin ist eine wunderschöne Region. Die Täler sind sehr steil und bieten spektakuläre Panoramas. Das Wetter ist meistens gut und sogar sehr warm. Ich gönne mir bei der Ankunft im Tal oft einen Sprung ins Wasser. Ich schätze mich glücklich, das Land in nur einigen Stunden durchqueren zu können und so eine Vielzahl Landschaften geniessen zu können.»

- David Mauron -

Klimatyp südlich der Alpen. Ascona © Roman Babakin/Shutterstock

*fiktive Person

Siehe den Artikel über Klimaszenarien 
Link zur Klimaszenarien für die Schweiz