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Die Ankunft der Tigermücke

Ich, die Mücke

«Hallo, ich heisse Diego. Ich bin ein aedes albopictus und werde meist Tigermücke genannt. Meinen Vornamen habe ich gewählt, weil ich denke, dass es ein guter Name für Tiger ist, wie der Säbelzahntiger im Zeichentrickfilm lce Age (Die Eiszeit). Ich habe schliesslich Tigerstreifen, daher steht mir der Name schon zu! Wie alle Tiger liebe ich feuchte Ecken und Sonnenbäder.

Gerade bin ich auf einem angenehm warmen Stück Asphalt auf einer Autobahn im Kanton Freiburg. Ich lebe noch nicht lange hier. Vorher war es wie in lce Age, verstehen Sie, es war zu kalt für mich in dieser Gegend. Ich stamme aus den Feuchtgebieten Asiens, dort war es wirklich sehr angenehm. Nun ja ... Ich liebe es, zu reisen und neue Blut-Geschmacksrichtungen auszuprobieren! Zum Glück sind die Temperaturen markant angestiegen und so kann ich nun andere Teile der Welt entdecken».

Zu Anfang bin ich ganz in den Süden gezogen, weil die Temperaturen dort angenehmer sind. Dann, als ich gespürt habe, dass sie deutlich gestiegen sind, bin ich langsam in Richtung Norden gezogen.

Meine Reisen

«Wo war ich stehengeblieben? Ah ja ... Ich habe Ihnen von meinen Reisen erzählt. Wie Sie vielleicht wissen, bin ich einige Jahrzehnte früher schon einmal auf Ihren Kontinent gekommen. Mir gefiel Ihre Gegend sehr gut, aber damals war es für meinen Geschmack noch ein wenig zu kalt. Ich habe dann eine Weltreise gemacht, um heisse und feuchte Gebiete zu finden. Daraufhin habe ich mich in Nordamerika angesiedelt, wo es wirklich warme Sommer gibt. Obwohl es dort wirklich angenehm war, hat mich mein unbändiger Bewegungsdrang wieder zu Ihnen geführt. Zu Anfang bin ich ganz in den Süden gezogen, weil die Temperaturen dort angenehmer sind. Dann, als ich gespürt habe, dass sie deutlich gestiegen sind, bin ich langsam in Richtung Norden gezogen. Da ich gerne neue exotische Geschmacksrichtungen entdecke, reise ich immer öfters. Aufgrund der Autos und Lastwagen ist dies heutzutage einfach, auch für eine kleine Mücke wie mich. Ich schlüpfe in ein Auto, hop, und schon reise ich kilometerweit, ohne dafür zu bezahlen».

Ansicht einer Person, die gestochen wird

Guten Tag, ich heisse Erzähler. Ich studiere Schadorganismen, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel auftreten. Aufgrund des Temperaturanstiegs siedeln sich in unserem Land invasive Arten an. Bei den Neophyten, wie beispielsweise der Palme, handelt es sich um exotische und invasive Pflanzen. Neozoa, zu denen auch Diego zählt, sind hingegen Tiere. Aufgrund der Klimaerwärmung bewegen sich momentan Arten, die aus den wärmeren Regionen der Welt stammen, in andere Länder, in denen bis dahin noch keine so milden Temperaturen geherrscht haben. In der Schweiz sammelt, validiert und publiziert die Plattform Neobiota Verbreitungsnachweise und Artinformationen für alle in der Schweiz vorkommenden Arten, darunter auch gebietsfremde.

Aufgrund der Klimaerwärmung bewegen sich momentan Arten, die aus den wärmeren Regionen der Welt stammen, in andere Länder, in denen bis dahin noch keine so milden Temperaturen geherrscht haben.

Da ich Diego zugehört habe, möchte ich noch einige Informationen anfügen. Die Tigermücke zählt weltweit zu den invasivsten Mückenarten. Ihre Stiche sind potenziell gefährlich, da sie Krankheiten übertragen kann, gegen die momentan noch kein Medikament existiert. Zu den drei am weitesten verbreiteten Krankheiten zählen das Dengue-, das Zika- sowie das Chikungunya-Fieber. Da eine Mücke zuerst eine kranke Person stechen muss, bevor sie eine Krankheit auf ein anderes Lebewesen übertragen kann, sollten wir deshalb nicht in Panik geraten. Ich rate Ihnen nur dann dazu, Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufzusuchen, wenn Sie nach einem Stich Grippesymptome oder Gelenkbeschwerden entwickeln. Weshalb sticht uns die Tigermücke? Sie sticht uns aus denselben Gründen, weshalb uns auch andere Mückenarten stechen. Wenn die weiblichen Mücken befruchtet sind, sind sie auf für ihre Nachkommen lebenswichtige Proteine angewiesen, die sich in unserem Blut befinden. Um diese lebenswichtigen Proteine zu finden, muss sie ein Säugetier oder einen Vogel stechen. Link zur Seite des Kantons Freiburg über die Tigermücke.

Wie können wir eine Tigermücke erkennen?

Sie ist sehr klein und durchschnittlich 0,5 cm lang. Die gewöhnliche Mücke misst im Allgemeinen 1,5 mm. Die weiblichen Mücken stechen, wohingegen die männlichen eher Nektar sammeln. Im Gegensatz zu anderen Mückenarten stechen weibliche Tigermücken tagsüber, wobei sie nicht denselben charakteristischen Laut verursachen wie andere Mücken. Verblüffender Effekt: beim Stechen heben sie ihre Hinterbeine an! Möchten Sie mehr hierüber erfahren, laden wir Sie ein, sich das Interview mit Professor Cherix anzuschauen. Folgendes Foto zeigt eine Tigermücke. 

Wenn Sie denken, dass Sie eine Tigermücke gesehen haben, können Sie Ihre Kontaktangaben mit dem Foto des Tieres an die Website Schweizerisches Mückennetzwerk schicken. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden werden Sie normalerweise von einer Wissenschaftlerin oder einem Wissenschaftler eine Bestätigung erhalten.

Wie können wir sie einfangen, ihre Verbreitung begrenzen und uns vor ihr schützen?

Das Vorkommen der Tigermücke in einer gegebenen Region kann durch das Aufstellen von «Ovitraps» nachgewiesen werden. Es handelt sich dabei um ein etwa 12 cm hohes und dunkelfarbiges Gefäss. Darin befindet sich ein kleiner Stab und Wasser, das die Weibchen benötigen, um ihre Eier ablegen zu können. Um zu verhindern, dass sich die Larven entwickeln, wird ein Produkt mit Bakterien hinzugefügt. So sammeln Wissenschafterinnen und Wissenschaftler schweizweit Daten, um das Auftreten dieser Mücke sowie die von ihr übertragenen Krankheiten einschätzen zu können.

Ein Team von Wissenschaftlern stellt auf dem Rastplatz der Autobahn im Greyerz «Ovitraps» auf und entnimmt Proben.

Wie können wir ihre Verbreitung begrenzen? Es ist ausreichend, wenn Sie alle Wasserflächen aus ihrem Garten oder von Ihrem Balkon entfernen. Trocknen Sie Gefässe sowie Blumentöpfe und vermeiden Sie Springbrunnen. (siehe PDF: Konzept 2011 für die Bekämpfung der Tigermücke, BAFU, 2011).

Wie schützen wir uns vor der Tigermücke? Wie bei anderen Mückenarten schützen lange Kleidungsstücke am besten. Wenn Sie draussen sind und eine Tigermücke sehen, halten Sie sich von ihr fern, da Tigermücken meistens in Gesellschaft mit ihren Artgenossen auftreten. Sie können auch ein Mückenschutzmittel verwenden, es wird Sie aber nicht so gut schützen wie Ihre Kleidung. Im Falle eines Stichs riskieren Sie nur eine kleine Schwellung, solange im Kanton keine Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Epidemie herrscht.

- David Mauron -

Möchten Sie mehr über die Tigermücke erfahren?
Dann laden wir Sie dazu ein, das Video mit Professor Cherix anzuschauen.