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Carbon FRI und das Engagement der BürgerInnen

Sylvain* ein Youtuber, der auf Reisen mit kleinem Budget spezialisiert ist. Er liebt es, auf der Suche nach wenig besuchten Ecken durch Europa zu reisen, und diese dann der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und mit seinen Followern zu teilen. Umweltbewusst, versucht er wenn nur möglich mit dem Zug zu reisen. Das einzige Problem ist, dass fliegen viel günstiger bleibt und ihm mehr Zeit übrig lässt, um sein nächstes Video vorzubereiten. «Am Anfang war ich ein begeisterter EasyJet-Reisender. Ich fand Flüge für weniger als 30.-, die es mir erlaubten, von der Schweiz weit entfernte Länder oder Städte zu präsentieren, und mein Budget so eng wie möglich zu halten. Heute, nachdem ich die Demos der Jugendlichen gesehen habe, die auf der Strasse streiken, und hunderte, manchmal abfällige Kommentare von meinen Followern gelesen habe, die mir nahelegen, das Fliegen zu vermeiden, ist mir dieses Problem bewusster geworden. Ich versuche nun so oft wie möglich die Bahn zu nehmen, aber es erlaubt mir nicht immer, mein Budget einzuhalten.»

Wie Sylvain stehen immer mehr Leute, die gerne reisen und umweltbewusst sind, vor diesem Dilemma: die Bereicherung, ferne Länder und Sitten zu entdecken oder Ferien in der Nähe zu bevorzugen. «Mehrere Personen, die mir folgen, haben mir nahe gelegt, über south pole CO2-Kompensationen zu zahlen.» South pole ist ein in Zürich von Diplomierten der Eidgenössischen Technischen Hochschule gegründetes Unternehmen. Sein Ziel ist es, den Klimawandel als wirtschaftliche Opportunität für visionäre Unternehmen zu fördern. Es erlaubt auch Einzelpersonen, ihre CO2-Emissionen zu berechnen und dann ein Projekt auszuwählen, um sie zu kompensieren.

In der Umgebung Freiburgs zuhause, hat Sylvain von einer neuen Stiftung gehört, die ebenfalls CO2-Kompensation ermöglicht. Es handelt sich um eine Freiburger Stiftung, Carbon FRI. Im Gegensatz zu south pole setzt Carbon FRI auf das Engagement der lokalen Unternehmen. Die Stiftung, die ihren Sitz in Freiburg in den Räumen der Handels- und Industriekammer des Kantons hat, funktioniert dank den freiwilligen Initiativen der Unternehmen und Einzelpersonen. Um das Carbon FRI Label zu erhalten, muss das interessierte Unternehmen eine CO2-Bilanz vorlegen und sich dazu verpflichten, ihre Treibhausgasemissionen mittel- und langfristig zu reduzieren. Wenn das Gesuch des Unternehmens gutgeheissen wird, zahlt dieses der Stiftung einen Beitrag der proportional zu den in der Bilanz berechneten CO2-Emissionen ist. In Folge wird das Unternehmen mit dem Carbon FRI-Label ausgezeichnet. Die so gesammelten Beiträge werden dann in lokale Projekte zur Reduktion der CO2-Emissionen investiert. Es handelt sich dabei um ein wahres Sprungbrett für die lokale Wirtschaft.

Da ich in Grolley aufgewachsen bin, fand ich es super, dass eines der Projekte dazu diente, Bäume in meinem Heimatdorf zu pflanzen.

Diese Projekte sind integraler Bestandteil der Schweizer Strategie zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen. Das Bundesgesetz über CO2 strebt in der Tat eine Reduktion der CO2-Emissionen um 50% bis 2030 und um 100% bis 2050 an. Infolge der kantonalen Initiativen hat der Kanton Freiburg beschlossen, die Dinge in die Hand zu nehmen. 2019 hat ein Abgeordneter des Grossen Rats Freiburgs ein Postulat eingereicht, das den Staatsrat damit beauftragt, einen Bericht zur Möglichkeit, eine Internetplattform zu kreieren, welche den Bürgerinnen und Bürgern regionale Projekte zur freiwilligen CO2-Kompensation anbietet,  zu verfassen. Diese sollte sowohl die Gemeinden, wie auch die Bürgerinnen und Bürger, die öffentliche Hand und die privaten Akteure ansprechen, damit sie direkt von einer Verbesserung der Lebensqualität in den Bereichen des Transports und der Energieproduktion profitieren können. Infolge dieses Postulats hat die Stiftung ihre Plattform sehr rasch angepasst, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ziele der Schweizer Klimastrategie aus der Totalrevision des C02-Gesetzes nach 2020. Bundesamt für Umwelt BAFU.

Die Stiftung bietet nun einen CO2-Rechner, der die CO2-Emissionen der Reisen beziffert und es danach ermöglicht, freiwillig in lokale Projekte der Stiftung zu investieren. «Letzen Winter wollte ich in den hohen Norden, um die Nordlichter und die Elche der schwedischen Tundra zu filmen. Angesichts der Begeisterung meiner Follower habe ich entschieden, mit dem Flugzeug hinzugehen, jedoch meine CO2-Emissionen über Carbon FRI zu kompensieren. So konnte ich nicht nur zahlreiche neue Follower dank dieser wunderschönen Reise anziehen, sondern konnte auch die Umweltaktivisten unter ihnen behalten! Darüber hinaus finde ich die Idee, zum Naturschutz im Kanton beizutragen, genial!» Zum Vergleich erzeugt eine Schweizerin oder ein Schweizer jährlich 14 Tonnen CO2. Der Bund hat sich zum Ziel gesetzt, seinen CO2-Fussabdruck bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren. Carbon FRI betont, dass der Rechner nicht zum Ziel hat, den Bürgerinnen und Bürgern das schlechte Gewissen zu nehmen, sondern ihnen ihren CO2-Fussabdruck bewusst zu machen.

© Stiftung Carbon Fri
© Stiftung Carbon Fri

«Da ich in Grolley aufgewachsen bin, fand ich es super, dass eines der Projekte dazu diente, Bäume in meinem Heimatdorf zu pflanzen.» Das erste Finanzierungsprojekt von Carbon FRI ist aus einer Zusammenarbeit zwischen Forêts-Sarine und der École du Bonheur in Grolley hervorgegangen. So wurden am 13. Dezember 2018 1600 an den Klimawandel angepasste Bäume (Traubeneichen und Douglastannen) gepflanzt, mit dem Ziel, den Wald für die zukünftigen Generationen nachhaltig zu bewahren.

- David Mauron -

Und Sie?

Haben Sie vor, Ihre CO2-Emissionen zu berechnen und sie zugunsten eines lokalen Projekts zu kompensieren? 


www.carbonfri.ch
www.southpole.com

*fiktive Person